RAMSAR - Schutzgebiet

Bayerische Wildalm und Wildalmfilz

Was ist ein RAMSAR - Schutzgebiet?
Feuchtgebiete zählen weltweit zu den gefährdetsten Lebensräumen, deshalb ist ein international anerkannter Schutz dringend geboten. Wenn Feucht-gebiete die folgenden Kriterien erfüllen, können sie als international bedeutsame Schutzgebiete nach der RAMSAR -Übereinkunft ausgewiesen werden:

 

► Das Gebiet sollte ein repräsentatives, seltenes oder einmaliges Beispiel eines natürlichen oder naturnahen Typs eines Feuchtgebiets innerhalb einer biogeographischen Region darstellen.

► Das Feuchtgebiet sollte international bedeutsam für die Erhaltung der Artenvielfalt sein, indem es Pflanzenpopulationen oder Tierarten sichert, die für den Erhalt der biologischen Vielfalt einer besonderen biogeographischen Region wichtig sind.

► Das Feuchtgebiet sollte den Erhalt gefährdeter oder kritisch gefährdeter Arten oder ökologischer Gesellschaften sichern.

Der Moorkomplex "Bayerische Wildalm und Wildalmfilz", ein Feuchtgebiet von ca. 130 ha, erfüllt diese Kriterien. Deshalb wurde er auf Antrag der Tiroler Landesregierung und der österreichischen Bundesregierung 2005 als international bedeutsames Schutzgebiet nach der Ramsarkonvention ausgewiesen.
Im November 2007 erhielt auch der bayerische Anteil nach dem Antrag Bayerns und der Bundesrepublik Deutschland den Schutzstatus „International bedeutsames Feuchtgebiet (Ramsar-Schutzgebiet)“.

Der Moorkomplex "Bayerische Wildalm" liegt in einer mächtigen Karstwanne (1435m)  oberhalb der Gufferthütte. Im Süden wird die "Polje" von einem ca. 1510m hohen Rücken aus härterem Aptychenkalk, Bunten Liaskalken und fossilienreichem Oberrhätkalk begrenzt. Im Westen und Norden reichen die Steilhänge der Halserspitz (1863m) mit den steil aufgerichteten Plattenkalken an den Wannenboden heran. Auf der Ostseite wird die Wanne vom steilen Aufstieg zum "Pass" ins Sattelbachtal (1465m) abgeschlossen. Die Kalke sind teilweise stark verkarstet. So begleitet den Südrand der Polje eine Serie von kleineren Dolinen mit in den Untergrund führenden Schlucklöchern. Den Poljenuntergrund dichten wahrscheinlich wasserundurchlässige Kössener Schichten oder von den Rändern her eingespülte Tone und Mergel ab, welche die Moorentwicklung verursacht haben. Von den Rändern fließen aus Hang- und Schichtquellen kleine Bäche in die Polje ein. Sie werden am Grund von einem stark mäandrierenden, schmalen Bach gesammelt, der sich tief in die Torfschicht des Moores eingegraben hat. Er mündet im Osten in eine tiefer liegende Doline, in deren Schlucklöchern (Ponore) das Wasser im Berg verschwindet. Bei der Schneeschmelze und bei Starkregen werden Teile der Polje überschwemmt und der Ponor reguliert einen langsamen Abfluss.

 

In der Polje findet man unabhängig von der Höhenlage, aber abhängig von seiner Oberflächen-form und der Sonneneinstrahlung verschiedene Kleinklimabereiche. So beobachtet man am tiefliegenden Poljengrund vor allem im Frühjahr und Herbst im Tagesverlauf extreme Temperaturunterschiede, d. h. tiefe Temperaturen in der Nacht mit Spät- und Frühfrösten und hohe Temperaturen am Tag. Bis weit in das Frühjahr hinein lagert in der Wanne eine dicke, schwere Schneeschicht.Diese Faktoren bestimmen auch die Vegetationsdecke der Polje.
Das Moor am Grund der Polje ist strauch- und baumlos. Es erscheint auf seiner Oberfläche wenig gegliedert. Flache Tümpel (Schlenken) und flache Erhebungen mit Torfmoosen (Bülten) sind unregelmäßig in der Moorebene verteilt.
Tatsächlich aber setzt sich die Vegetation abhängig vom Mineralgehalt des zufließenden Wassers aus mehreren verschiedenen Pflanzengesellschaften zusammen. In den mineralreicheren Wasserlöchern findet man Schnabelseggengesellschaften, in den mineralstoffarmen Tümpeln Arten der Schlammseggengesellschaft.
Sie sind verzahnt mit Arten der Rasenbinsengesellschaft. Kennzeichnend in den einzelnen Gesellschaften verteilt sind verschiedene Wollgrasarten wie das Schmalblättrige Wollgras und das Scheidenwollgras, der Fieberklee, der Rundblättrige und Mittlere Sonnentau, die seltene Schlammsegge, die höchstgefährdete Blumenbinse und der Sumpfbärlapp. Die Rasenbinse verleiht dem Moor im Herbst seine goldgelbe Farbe. Zwischen den Torfmoospolstern kann man Moose entdecken, die aus der Eiszeit stammen und in vielen Teilen Europas ausgestorben sind.

 

Den nach Norden ausgerichteten, kühleren und feuchteren Südhang überziehen Quellsümpfe, Feuchtwiesen und Hangmoore mit ihren charakteristischen Arten, in denen der Alpenhelm, das Sumpfläusekraut, der Ungarische Enzian und verschiedene Knabenkräuter auffallen. Im Gegensatz dazu wachsen auf dem meist trockenen, nach Süden orientierten Nordhang Arten des alpinen Kalkmagerrasens, Schusternagerl, Stengelloser Enzian, Kugelorchis, Silberdistel u. a..
Durch den nördlichen Teil der Halserspitzpolje zieht die Staatsgrenze zwischen Bayern und Tirol. Die beiden Almhütten, die untere Sindelsdorfer Alm und die obere Bayerische Wildalm liegen folglich in Bayern.

 

Das "Wildalmfilz" liegt unterhalb der Gufferthütte auf ca. 1420m. Es hat sich auf dem kleinen Pass zwischen dem Filzmoosbachtal im Westen und den Tälchen der Sattelbachzuflüsse im Osten, den Anstiegen zum Wilderlochberg im Norden und zum Schneidjoch im Süden als Sattelmoor entwickelt. Kössener Schichten stauen das von zwei Seiten zufließende Wasser und den Regen.
Das Wildalmfilz zeichnet sich durch einen sehr naturnahen Zustand aus. Extensiv genutzte Feuchtwiesen gehen allmählich in ein Kalkniedermoor, über ein Zwischenmoor und schließlich mit abnehmendem Mineralgehalt des Wassers in ein Hochmoor über, das nur mehr vom Regen mit Wasser versorgt wird. Moorweiten mit Moorkolken, Schlenken, Schwingrasen und Bülten wechseln einander ab, sind durch Latschenfelder auf hohen Bülten miteinander verzahnt. Schlammsegge, Blumenbinse, Sonnentau, Sumpfbärlapp, Fieberklee und verschiedene Torf- und Laubmoosarten bilden die auffallenden Arten der feuchten und nassen Bereiche, Moosbeere, Rosmarinheide, Besenheide wachsen auf den trockeneren Flächen.
Die Moore der "Bayerischen Wildalm" und das "Wildalmfilz" sind über die Feuchtwiesen und kleineren Moore des oberen Sattelbachtals zu einem international bedeutsamen Moorkomplex miteinander verbunden. Er zeichnet sich aber nicht nur durch einen hochwertigen ökologischen Rang aus sondern beeinflusst durch seine Fähigkeit bei Starkregen das Wasser aufzusaugen und zurückzuhalten auch wesentlich die Wasserführung der abfließenden Bäche.

 

Georg M. Eberle
 Naturschutzreferent der DAV Sektion Kaufering

mit freundlicher Genehmigung der Naturfreunde Internationale, Österreich :

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und von der Sektion:

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DAV Bericht: Bayer. Wildalm erhält Ramsar Diplom

Ramsar- Bericht: Übergabe der Ramsar- Urkunden